Crossmedia-Dozent Michael Swoboda im Portrait

Woher kommt Ihr Interesse für Marketingkomunikation?

Ich habe sehr früh begonnen, mich für die kommunikativen Möglichkeiten von neuen Technologien zu interessieren. Als junger Teenager – es muss so um 1980 gewesen sein - stießen ein Schulfreund und ich auf die Information, dass eine deutsche Firma Atari-Computer aus den USA importierte. Es war die Zeit von Krieg der Sterne, Mondlandungen und Co und ich wollte unbedingt so ein Gerät haben. Weil diese damals aber ein Vermögen kosteten, musste ich das Geburtstagsgeld, Ostergeld und Weihnachtsgeld von gefühlt zehn Jahren für diese Investition zusammenlegen. Doch dann war es soweit und ich durfte als einer der ersten in Österreich so ein Gerät mit Begeisterung auspacken und in die Welt der digitalen Kommunikation eintauchen. Seitdem ist die digitale Welt mein Wegbegleiter, und gerade heute, wo die kreativen Möglichkeiten im WWW und in der Marketingkommunikation als nahezu unendlich erscheinen, noch intensiver als je zuvor.

Das ist ja heute kaum vorstellbar, aber was machte ein Kind damals mit einem Computer – so ganz ohne World of Warcraft, Youtube und Co?

Ja, das waren wirklich anderen Zeiten. Ich ging damals auf eine sehr katholische und sehr strenge Privatschule. Disziplin wurde dort großgeschrieben und unser Tagesablauf war bis ins kleinste Detail durchgeplant. Durch Sport bis zum Umfallen habe ich viel von dem Stress kompensiert – und daneben eben Atari, Apple und Commodore Geräte zerlegt und wieder zusammengeschraubt. Von WOW und Facebook war damals natürlich noch keine Rede. Natürlich gab es schon Spiele, aber die waren sehr „basic“ und Space Invaders war das höchste der Gefühle. Ich habe mich viel eher mit dem technischen Innenleben als auch Außenleben dieser Dinger beschäftigt. Entsprechend oft wurde dann auch unser Fernseher von mir okkupiert und als Bildschirm für die Computer umfunktioniert. So lernte ich sehr früh die digitalen Interaktionsmöglichkeiten vor und hinter der Bühne kennen.

Und in der Gegenwart? Was begeistert Sie heute an Kommunikation und Marketing?

Ich bin sehr vielseitig interessiert und wollte immer breit aufgestellt sein, einen guten Überblick über interdisziplinäre Bereiche haben. Diesen Ansatz nutze ich auch in meiner beruflichen Tätigkeit und das versuche ich auch in der Lehre den Studierenden mitzugeben.

Mich fasziniert die hundertprozentige Kundenorientierung. Die Customer Journey ist ein praktisches Werkzeug, um aus der Perspektive des Kunden Strategien zu entwickeln. Man betrachtet dabei jeden einzelnen Zyklus, den ein Kunde durchläuft, bevor er sich für den Kauf eines Produktes entscheidet – und auch danach, über den Kaufabschluss hinaus bis hin zur Weiterempfehlung und Treue zur Marke über viele Jahre hinweg. Man betrachtet dabei alles von der Werbung bis hin zum Öffnen des Kartons zu Hause.  Wie laufen diese Prozesse aus Kundensicht ab? Wie ist die Erfahrung mit dem Produkt, wie lange hält es und wie gestaltet sich die Weiterempfehlung? Besonders mit den technologischen Möglichkeiten von heute – Stichwort Bewertungsportale, Rezensionen, Userforen und Blogs - ist die Customer Journey ein wertvolles Tool.


Stichwort „Möglichkeiten von heute“. Was unterscheidet die online Lehre von der Präsenzlehre, aus Ihrer Sicht als Dozent?

Blended Learning ist absolut genial! Die Online Lehre ist unabhängig und flexibel. Ich kann lernen und lehren mit Zoom & Co, wo ich will und wann ich will. Es geht schlussendlich nicht mehr nur um Präsenzzeit, sondern um ergebnisorientierte Leistungserbringung.

Ich sehe natürlich auch die Herausforderung, einerseits alle digitalen, sinnvollen Möglichkeiten voll auszuschöpfen und andererseits die menschlichen Bedürfnisse nach sozialer Nähe zu befriedigen. Aber ich glaube, dass die Grenzen nur in unseren Köpfen sind. Das ist eine Mindset-Frage, und gerade jetzt zeigt uns die Corona-Krise auf, wie schnell digitaler Wandel vollzogen werden kann, indem Skepsis und Vorbehalte überwunden werden.  Der Einzug der Lehre 2.0 geht gerade in Windeseile vonstatten und diesen wird auch niemand mehr aufhalten können.

Was gibt es privat über Sie zu wissen? Erzählen Sie uns etwas, um Sie ein bisschen besser kennenzulernen?

Mein Herz schlägt für innovative Ideen und Produkte. Faszinierende Geräte bewahre ich auf, wie z.B.: meine ersten Computer aus den 70er und 80er Jahren, mein Nokia 8110, etc., und ich liebe die Musik der 1970er und 80er. Während meines Studiums war ich DJ und habe jetzt noch die Plattenspieler und über 1000 Vinyl-Schallplatten sowie MC.

Eine weitere Leidenschaft von mir ist das Reisen und Fotografieren. Ich suche das Abenteuer und habe über hundert Länder dieser Welt bereist. Mich faszinieren andere Länder, Menschen und Kulturen.

Meine größte Leidenschaft jedoch ist mein vier Monate alter Sohn. Er hat mein Leben nach zehn Jahren Startup-Welt nochmals komplett auf den Kopf gestellt und macht mich gemeinsam mit meiner Familie rundum glücklich.

Mein Traum wurde wahr!

Michael Swoboda lehrt u.a. Verkaufsorientierte Marketingkommunikation


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Kommentare: 1
  • #1

    Silvia Ettl-Huber (Donnerstag, 25 Juni 2020 06:28)

    Ich durfte Michael in einer Startup Pitch-Jury kennenlernen, in der wir gemeinsam Mitglied waren. Wir kamen ins Gespräch und vier Monate später nahm er seinen ersten Lehrauftrag in der FH Burgenland an. Ein Jahr später dann an der eLAC, wo er die Studierenden bei ihrem persönlichen Startupprojekt, dem Master, ein Stück begleitet.