Strategie-Expertin Renée Hansen im Interview

Woher kommt Ihre Begeisterung für konzeptionelles Arbeiten?

Ganz einfach: Es macht mir einfach Spaß. Ich denke gern und finde mit anderen Menschen Lösungen für die Aufgaben, die gerade anstehen. Und ich liebe die Abwechslung! Konzeption beschäftigt mich jetzt schon seit so vielen Jahren. Gerade habe ich mit meiner wunderbaren Kollegin Stephanie Bernoully das dritte Buch zu diesem Thema geschrieben: „Um die Hecke gedacht – Kommunikationsstrategien entwickeln“. Auch das Schreiben macht immer noch Spass wie am ersten Tag.

 

Strategieentwicklung in der Kommunikation begleitet mich seit meinem ersten Arbeitstag. Nach meinem geisteswissenschaftlichen Studium habe ich bei einem Arbeitgeber begonnen, der diesen Bereich in Deutschland maßgeblich mitgestaltet hat. Dort habe ich gelernt, strategisch zu denken.

Mir ist besonders der Dreiklang zwischen kommunikativer Herausforderung, denkerischer Lösung und zielgerichteter Umsetzung ein Anliegen. Aus meiner Erfahrung ist es in der Praxis nämlich oft so, dass Kommunikation oft sehr nur von den Maßnahmen her gedacht wird. Nehmen wir das Beispiel Social Media. Wir haben hier immer wieder neue Tools und „man will das einfach mal ausprobieren“. Aber irgendwann kommt der Punkt, da sollte man fragen, wo das Ziel ist. Setzen wir unsere Ressourcen richtig ein und haben wir auch einen Mehrwert von dieser Aktivität? Ist unsere Zielgruppen über diese Kanäle überhaupt gut erreichbar und kommt die Botschaft an?

Ich würde sagen, das ist mein Hauptanliegen und das möchte ich den Studierenden auch gerne mitgeben. Das ist eine Art zu denken und kommunikative Aufgaben zu bearbeiten. Und es passt immer, egal wie klein oder groß die Aufgabe ist.

 

Was begeistert Sie sonst noch an Ihrem Beruf?

Mein Steckenpferd ist ganz klar die Schnittstelle zwischen Organisationsentwicklung und Kommunikation. Deshalb habe ich auch noch Wirtschaftspsychologie studiert. Irgendwann hat es mir nicht mehr gereicht, nur schöne Sprachregelungen, Pressetexte und Powerpointcharts zu schreiben. Ich muss mit den Menschen arbeiten. Ich finde es auch persönlich extrem spannend, sich immer weiter zu entwickeln, kompetenter zu kommunizieren und über die eigene Haltung nachzudenken.

 

Wie sind Sie letztendlich zur Lehre gekommen?

Zu unterrichten und zu lehren macht mir sehr große Freude und es war eigentlich von Anfang an Teil meiner beruflichen Laufbahn. Mein erster Chef hatte ein Ausbildungsinstitut und ich bin sehr früh in die Rolle einer Tutorin gekommen, die das Lernen begleitet hat. Auch später, als Angestellte in Agenturen, habe ich immer wieder Lehraufträge erhalten.

Nach vielen wunderbaren Jahren in Agenturen habe ich mich ich mich dann sehr bewusst selbstständig gemacht. Ich wollte und will unterrichten, coachen, beraten und Menschen etwas weitergeben. Es macht mir große Freude, Menschen dabei zu unterstützen, an ihren Themen zu arbeiten.

 

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht die Online Lehre von der Präsenzlehre?

2016 hielt ich mein erstes Webinar zu meinem Modul Kommunikationskampagnen und -konzeption und war nicht sicher, ob das wirklich gut wird. Ich dachte , dass das Lernen und Lehren in Präsenz besser funktionieren müsse, in einem Raum und alle können sich sehen. Doch meine anfänglichen Bedenken haben sich schnell zerstreut.

Für manchen Themen mag es nach wie vor stimmen, dass Präsenz unabdingbar ist. Aber ich habe festgestellt, dass man auch in einem Online-Raum in einen sehr produktiven Austausch mit Studierenden kommt. Und mehr noch, die Online-Seminare machen mir sehr viel Freude. Es entstehen echte Gespräche über Theorie und Praxis.

Ein mögliches Manko der Online-Lehre ist, dass die Verbindlichkeit in einer Präsenzsituation doch noch mal etwas mehr gegeben ist. Vermitteln geht gut online, trainieren kommt an seine Grenzen. Der große Vorteil der Online-Lehre hingegen ist sicherlich, dass sie weitaus unkomplizierter und ohne großen zeitlichen Vorlauf zu organisieren ist.

Besonders in der aktuellen Situation, werden wir alle gezwungen, uns mit Technik und Methodik in der Online-Lehre auseinanderzusetzen. Ich glaube, wenn uns Corona hoffentlich eines Tages wieder verlässt, wird es eine bessere Mischung aus Online und Präsenzlehre geben. Es wird uns und überhaupt das große Thema Bildung einen Schritt nach vorne bringen.

Für mich selbst kann ich sagen, dass auch ich mich in diesem Jahr viel mehr mit der digitalen Technik auseinandergesetzt habe. Was auch schön ist, weil es in vielerlei Hinsicht mein methodisches und didaktisches Know-how erweitert.

 

Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität der Arbeiten in Ihrem Modul?

Die Qualität hängt sehr von den Studierenden ab, wie gut sie sich selbstständig neue Themen erarbeiten können und wie sehr sie sich auf das Fernstudium einlassen. Die meisten Studierenden kommen extrem gut online zurecht. Einige andere bräuchten etwas mehr Zeit und persönliche Unterstützung, die ich eher in einer Präsenzphase leisten kann. Ich versuche das mit sehr ausführlichen Feedbacks aufzufangen. Eine gute Lernkurve sehe ich aber bei allen.

 

Was gibt es privat über Sie zu wissen? Erzählen Sie uns etwas, damit wir Sie ein bisschen besser kennenlernen?

Ich bin eine Wanderin zwischen den Welten, pendle zwischen Deutschland und der Schweiz, bin aber auch beruflich viel in Österreich unterwegs. Ich fühle mich in diesem Dreieck sehr wohl.

Wenn ich mich in Corona-Zeiten entspannen will, gehe ich mit dem Hund raus oder werke im Garten. Unser Hanglage-Garten ist recht schwer zu bewirtschaften, weshalb wir viele Hochbeete angelegt haben. Daraus ernten wir unser eigenes Gemüse – von Rote Beete über Salat bis hin zu Gurken und Co. Übrigens hat der Garten auch viel Inspiration für das neue Konzeptionsbuch gebracht. Und da schließt sich für mich der Kreis zwischen Leben und Arbeiten.

 

 

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